Warum ich zur Vegetarierin wurde

Zehn Jahre lang haben sich meine Eltern redlich bemüht, aus mir einen ernährungstechnisch normalen Menschen zu machen. Denn ich verweigerte in meinem ersten Lebensjahrzehnt jegliches Fleisch sowie alle Milch- und Milchprodukte. Und bis heute mag ich keine Zwiebeln, keinen Knoblauch und keine Lauchgewächse. Und das ist noch nicht alles 😉 .

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als 8-Jährige ganz langsam und mühsam zu lernen begann, Käse zu essen. Und das, obwohl mein Vater eine leitende Funktion in einer großen Molkerei innehatte. Ein Butterbrot zu essen war für mich kein Problem, deshalb vermischte meine Mutter milden Streichkäse mit ganz viel Butter, damit ich mich an den Käsegeschmack gewöhnte. Als ich dieses Etappenziel erreicht hatte, aß ich in den kommenden Wochen immer mal ein dick bestrichenes Butterbrot, belegt mit haudünnen und fast geschmacklosen Weichkäsescheiben. Als das für mich kein Problem mehr war, wechselte ich dann allmählich zu kräftigeren Käsesorten, bis ich schließlich auch „Stinkekäse“ essen konnte. Alle waren damals so stolz auf mich!

Als Kind ekelte ich mich vor Wurst

Auch Würste fand ich ekelhaft! Aber das ist eine eigene Geschichte. Heute, einige Jahrzehnte später, ist mir bewusst, dass ich damals schon als Beinahe-Veganerin zur Welt gekommen war, aber dem damals vorherrschenden Gepflogenheiten der Gesellschaft, in der ich aufwuchs, überhaupt nicht entsprach. Viele Kinder haben einen natürlichen Instinkt und spüren genau, was ihnen gut tut und was nicht. Ich habe in meiner Zeit als Kinesiologin sehr oft die Erfahrung gemacht, dass Kinder Allergien und Unverträglichkeiten auf genau jene Nahrungsmittel haben, die sie ursprünglich eigentlich gar nicht essen wollten (und häufig dazu gezwungen wurden).

Seit einigen Jahren bin ich aus ethischen Gründen Vegetarierin und bewege mich in Richtung Veganerin. Mich interessieren keine Fakten und Statistiken, wonach Fleischessen ungesund sein soll. Nein, ich mag kein Fleisch mehr, weil ich keine toten Tiere essen mag. Und da gehören für mich auch Fische und Meerstiere dazu.

Warum wir Hunde lieben und Schweine essen

Ich finde es immer ganz erstaunlich, dass liebevolle und fürsorgliche Pferde-, Hunde-, Katzen-, Hamster- oder Meerschweinchenhalter ohne mit der Wimper zu zucken ein blutiges Steak verdrücken können. Zu diesem Thema hat übrigens die amerikanische Sozialpsychologin Melanie Joy ein sehr interessantes Buch geschrieben: „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“. Daraus ein Auszug:

„Versetzen Sie sich für einen Moment in folgende Szene: Sie sind bei Freunden zu einem festlichen Abendessen eingeladen. Gemeinsam mit den anderen Gästen sitzen Sie an einem stilvoll gedeckten Tisch. Der Raum ist angenehm warm, das Kerzenlicht spiegelt sich in den Kristallgläsern mit Wein und man unterhält sich ganz entspannt. Aus der Küche duftet es verführerisch nach reichhaltigen Speisen. Sie haben den ganzen Tag nichts gegessen und Ihr Magen knurrt. Nach einiger Zeit –es kommt Ihnen wie Stunden vor –erscheint die Gastgeberin und bringt aus der Küche eine appetitlich dampfende Schüssel mit Geschnetzeltem.

 Der Wohlgeruch von Fleisch, Gewürzen und Gemüse durchzieht den Raum. Sie nehmen sich eine kräftige Portion, und nachdem Sie von dem zarten Fleisch einige Bissen gekostet haben, fragen Sie die Gastgeberin nach dem Rezept. „Das gebe ich dir gerne“, antwortet sie. „Als Erstes nimmst du fünf Pfund Golden-Retriever-Fleisch, gut mariniert, und dann …“ Golden Retriever? Wahrscheinlich werden Sie mitten im Kauen erstarren, als Ihnen klar wird: Das Fleisch in Ihrem Mund stammt von einem Hund . Und jetzt? Essen Sie weiter? Oder stößt Sie der Gedanke ab, dass auf Ihrem Teller Golden Retriever liegt und dass Sie gerade davon gegessen haben?“

Verdrängung hält manche von fleischlosem Essen ab

Was läuft hier ab? Wenn wir an einen Golden Retriever denken, sehen wir vor unserem geistigen Auge einen Hund, wie er mit einem Ball durch den Garten tollt, mit Kindern spielt, entspannt vor dem Kamin döst oder neben einem Jogger herläuft. Und diese Gefühle lösen in uns Mitgefühl oder Mitleid für den getöteten Hund aus und Ekel bei der Vorstellung, dieses Tier zu essen. Wenn wir es jedoch mit Rindfleisch zu tun haben, überspringen wir diesen Teil des Wahrnehmungsprozesses, der in unserem Kopf die Verbindung zwischen Fleisch und und einer Kuh herstellt.

Ich selbst zähle mich nicht zu den militanten VegetarierInnen, die andere verurteilen, weil sie gerne Fleisch essen. Denn Menschen haben verschiedene Gründe, warum sie sich nicht ausschließlich von Gemüse, Getreide und Obst ernähren möchten.

Warum ich diesen Bericht ausgerechnet in meinem Frauenblog veröffentliche? Weil es meiner Erfahrung nach insbesondere wir Frauen sind, die einen wesentlichen Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten  unserer Familien und somit auch indirekt auf unsere Gesellschaft haben. Es sind jedoch immer häufiger unsere Kinder und Jugendlichen, die uns Erwachsenen nachhaltig dahingehend beeinflussen, auf Fleischkonsum zu verzichten, weil sie schlichtweg das Essen von Tieren aus ethischen Gründen ablehnen.

 

2 Kommentare zu „Warum ich zur Vegetarierin wurde

  1. sie essen und sehen ein stück lebensqualität, eine leckere wohltat auf dem teller. in ihrem kopf verwandelt sich ein stück totes tier in ein stück fleisch, das nicht mehr einem lebewesen ähnelt. für sie ist tiere essen völlig normal, das hat man schliesslich immer so gemacht, es ist gesund und nahrhaft. immer mehr beruhigen ihr gewissen mit bio-fleisch.

    ist ein veganer anwesend funktioniert das verdrängen nicht mehr und fleischesser fangen an, sich zu rechtfertigen. viele sind ignorant oder aggressiv, andere reagieren mit wut, abwertung, spott oder hass. nicht auf sich selbst, sondern auf die veganer, weil veganer zerstörung und tod sehen. veganer haben eine moral, die über das private hinausreicht, ihnen geht es um die grossen zusammenhänge in der welt, um umweltzerstörung, klimawandel, massentierhaltung und auch gesundheit.

    die agression der fleischesser rührt daher, dass der veganer sich moralisch über den fleischesser stellt. fleischesser wollen mit gutem gewissen ihr positives selbstbild schützen. veganer möchten, dass fleischesser sich schuldig fühlen, weil ihnen die welt, das klima und die tiere scheissegal sind. veganer aber wollen die welt retten. wer fleisch isst tötet die welt, tötet tiere und am ende sich selbst. man muss solche vorwürfe noch nicht einmal äussern, die blosse anwesenheit eines veganers reicht schon aus.

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