Die drei K – oder: Wo wir Frauen unsere Weiblichkeit verloren haben

„Die drei K – Kirche, Küche, Kinder – die [noch vor wenigen Jahren und Jahrzehnten] zur Identität jeder Frau gehörten, wurden jetzt abgelöst von drei neuen K: Karriere, Kampf und Kompromisslosigkeit.“[1] Diese Aussage trifft natürlich längst nicht auf jede von uns Frauen zu, doch sie regt zumindest zum Nachdenken an.

Ob bewusst oder unbewusst … viele Frauen kämpfen täglich ums Überleben in einer männlich dominierten Gesellschaft. Dabei müssen wir uns in die leistungsorientierte Männerwelt einfügen und uns mit ihr identifizieren, um im Job die gleichen Chancen zu haben und um wirtschaftlich überleben zu können. Dass wir uns für diesen täglichen Kampf eine männlich geprägte „Rüstung“ zugelegt haben, die wir dann in unserer Freizeit nicht mehr ablegen, weil sie uns gar nicht mehr auffällt, verwundert mich nicht. Und dass wir in diesem Überlebenskampf unsere femininen Eigenschaften und Qualitäten verleugnen oder unterdrücken (müssen), fällt uns längst nicht mehr auf.

Das Idealbild des weiblichen Körpers orientiert sich am männlichen

Denken wir an das Idealbild des weiblichen Körpers, das viele Frauen kritiklos übernommen haben: Die meisten von uns möchten keine weiblichen Rundungen, denn der Körper sollte nach Möglichkeit männlich-schlaksig oder zumindest männlich-schlank sein. Nur der Busen darf nach wie vor ruhig etwas üppiger ausfallen. Warum? Weil dies der Wunschvorstellung vieler Männer entspricht … Also eine weitere Fremd- statt Selbstbestimmung?

Der Verlust der Weiblichkeit zieht sich durch viele Lebensbereiche. Denn wir haben längst gelernt, wie wir auf Knopfdruck funktionieren, wie wir uns durchsetzen und wie wir mit Disziplin und Willensstärke den Männern um nichts nachstehen. Dabei vergessen wir völlig auf unsere innere weibliche Kraft und Stärke, die so ganz anders gelebt wird und ihren Ausdruck findet als die männliche.

Management statt Sinnlichkeit

Wir Frauen müssen sehr gut durchorganisiert sein, um nicht nur uns, sondern auch unsere Kinder, den Haushalt und teilweise auch unsere Männer zu managen … damit das System „Familie“ nicht zusammenbricht. Wo bitte bleibt da Zeit für unsere Sinnlichkeit?

Der nachhaltige Verlust der Weiblichkeit macht uns Frauen jedoch nicht glücklich, denn er führt uns immer weiter weg von unserem weiblichen Potenzial und den Qualitäten, die unser Frausein ausmachen. Aber auch die Männer betrifft dieser Wandel und führt letztendlich zu Verunsicherung zwischen den Geschlechtern. Denn das, was Frauenrechtlerinnen einst für ihre Geschlechtsgenossinnen erkämpften, wurde für sie in der Zwischenzeit teilweise zu einem Bumerang.

Die Lösung? Ich habe sie nicht! Denn zurück zu Kirche, Küche und (nur) zu Kindern ist für die meisten von uns auch keine Option.

Ist die „Neue Frau“ im Entstehen?

Vielleicht kann eine Lösung darin liegen, uns im ersten Schritt unserer vermännlichten Weiblichkeit bewusst zu werden und im zweiten Schritt diese Vermännlichung wieder abzulegen und durch unser weibliches Potenzial zu ersetzen.

Vielleicht liegt die Lösung aber darin, ein neues Frauenbild zu schaffen, das es bisher noch gar nicht gab?

Wir leben in einer Zeit von großen Umbrüchen und Neuerungen, warum sollte es diese nicht auch im Bereich des FrauSeins geben? So wie die Kinder der Neuen Zeit noch vor wenigen Jahren niemandem aufgefallen sind, so könnte auch die „Neue Frau“ im Entstehen sein. Es liegt an uns, ob wir in Zukunft unsere männlichen Verhaltensmuster und Prägungen beibehalten wollen oder ob wir sie ablegen und uns auf unsere weibliche Urkraft rückbesinnen – und diese letztendlich in unser modernes Leben als Frau integrieren.

[1] Bust, Astrid Leila. Weiblichkeit leben. Die Hinwendung zum Femininen. Ellert & Richter Verlag, S. 22.

4 Kommentare zu „Die drei K – oder: Wo wir Frauen unsere Weiblichkeit verloren haben

    1. Natürlich ist ein schlanker weiblicher Körper schön! Aber ebenso ein weiblich-rundlicher oder weiblich-fülliger. Dies entspricht jedoch nicht dem „Schönheitsideal“, das von der Mode- und Ernährungsindustrie hochstilisiert wird. Sie schlagen fleißig daraus Kapital, und diese Entwicklung halte ich für bedenklich und hinterfragenswert!

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      1. Finde ich immer etwas einfach als Erklärung. Die Industrie verdient ja genau so gut an dick als Schönheitsideal wie an dünn. Allerdings sinkt die Attraktivität weltweit mit steigenden Gewicht, siehe diese Grafiken am Ende
        https://allesevolution.wordpress.com/2015/09/07/hueft-taillen-verhaeltnis-und-schlankheit-als-weltweite-schoenheitsideale/

        Und bei Frauen ist es ja eher noch radikaler.
        Männer Models haben 2% Fett. Eine schöne Frau mit guter Figur kann dagegen noch recht normal leben. Sportlich schlank dürfte auch das gesündeste bekannte Schönheitsideal sein, welches es gibt.

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  1. Sehr interessant. Ich habe herausgefunden, dass es für mich immer wieder spannend ist, Männer zu beobachten. Ich kenne einen Mann, der hat einen guten Job, er kann ganz leicht seine Familie ernähren. Er muss tolle Eltern haben, seine Mutter wurde vor über 25 Jahren gefragt, ob sie in die Politik möchte. Sie wollten aus ihr in etwa eine Hannelore Kraft machen. Sie hat sich alles angeschaut und dankend abgelehnt. Das wollte sie nicht. Sie wollte lieber ein Vorbild für ihre Kinder sein, sich nicht verbiegen lassen. Genau so lebt es dieser Mann. Die Strukturen (Landratsamt) sind durchzogen von männlichen Netzwerken und männlichem Imponiergehabe. Aber er macht das alles im Sinne und im Geiste von seiner Mutter. Sehr genial. Ich finde ihn großartig. Ich will damit sagen: vielleicht kommt es gar nicht so sehr aufs Geschlecht an? Vielleicht ist Weiblichkeit eine innere Einstellung, die auch Männer (die sich das trauen) haben können? Ich kenne Frauen, die sich als Mann fühlen. Die sogar ihren Namen ändern, damit jede und jeder sieht, dass sie ab jetzt ein Mann sind. Gut, auch das ist eine Möglichkeit. Ist dann dieser Familienvater (oben) mehr Frau als dieser „Mann“? Versteht ihr, was ich meine?

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