Der weibliche Weg ist eine bewusste Entscheidung

„Was der weibliche Weg für mich bedeutet“ … darüber habe ich bereits in einem früheren Blogbeitrag geschrieben und versprochen, darauf noch näher einzugehen. Denn dieser weibliche Weg ist für viele Frauen die wichtige und erfüllende Neuausrichtung in ihrem Leben.

Während in längst vergangenen Zeiten Frauen als Große Weise, als Wissende oder als Urfrauen verehrt wurden, mussten sie im Laufe der letzten Jahrhunderte ihren angestammten Platz in der Gesellschaft unfreiwillig aufgeben und den Männern überlassen.

Doch in der jetzigen Zeit der großen Veränderungen taucht in immer mehr Frauen erneut die starke Sehnsucht auf, ihren angestammten weiblichen Platz in der Gesellschaft wieder einzunehmen. Aber sie sind es leid, darum kämpfen zu müssen. Denn Kampf hat nichts mit Weiblichkeit, mit weiblicher Kraft und Stärke und mit weiblicher Weisheit zu tun. Es sind männliche Attribute, die wir Frauen uns angeeignet haben, während wir den weiblichen Weg verlassen haben, um den männlichen zu gehen.

Wie finden wir Frauen wieder auf unseren weiblichen Weg zurück?

 Als erstes sollten wir ehrlich erkennen, dass sehr viele von uns seit Jahren weitaus mehr männliche als weibliche Qualitäten entwickelt und gelebt haben. Das ist ein Eingeständnis, das nicht immer angenehm ist, denn es erfordert gleichzeitig eine bewusste Neuausrichtung. Und die erfordert viel an innerer Klarheit, Ehrlichkeit zu sich selbst und schließlich auch aufrichtiges Wollen, was nicht immer einfach ist.

Wir leben in einer Welt der Dualität – auch Polarität oder Gegensätze genannt: Mann – Frau, stark – schwach, dunkel – hell, oben – unten … die Aufzählung ließe sich noch beliebig lange fortsetzen. Die Polarität hat jedoch nichts mit Schwarz-Weiß-Denken zu tun. Die Polarität, von der ich spreche, ist neutral und wertfrei und ein wichtiger Teil unseres dualistischen Weltbildes.

Gegensätzliches erkennen und akzeptieren

„Weiblichkeit wird durch Tiefe, Liebe, Stille und Freiheit gestärkt, Männlichkeit braucht Höhepunkte, Erfolge und Anerkennung.“[1] Was auf den ersten Blick wie eine klischeehafte Aussage erscheint, trifft dennoch den Nagel auf den Kopf. Denn solange wir nicht erkennen, welche Energiemuster männlich bzw. weiblich sind, werden wir auch nicht zwischen „dem männlichen und dem weiblichen Weg“ unterscheiden können. Anhand der folgenden Beispiele soll noch deutlicher werden, was ich damit meine:

Fühlen (YIN, weiblich) – Denken (YANG, männlich)

Klar, das Fühlen ist nicht uns Frauen und das Denken nicht den Männern vorbehalten, aber das Fühlen entspricht der weiblichen Energie und das Denken der männlichen. (Zur Erinnerung zeige ich noch einmal das YIN-YANG-Symbol aus meinem letzten Blog, aus dem ganz klar ersichtlich ist, dass wir Frauen nicht nur weibliche YIN-Eigenschaften – in Rosa dargestellt –, sondern auch männliche YANG-Energien – in Hellgrün dargestellt – leben und entwickeln sollten.)

Stell dir nun als Frau die folgenden Fragen:

  • Wem folge ich stärker: meinem Gefühl (YIN) oder meinem Verstand (YANG)?
  • Habe ich Angst vor Kontrollverlust (YANG), wenn ich meinem Gefühl (YIN) vertraue?
  • Bewerte ich meinen Intellekt (YANG) höher als meine Intuition (YIN)?

Sein (YIN, weiblich) – Tun (YANG, männlich)

Klar können und wollen wir Frauen die Hände nicht in den Schoß legen und darauf warten, bis die Männer etwas (für uns) tun. Doch die weibliche Energie hat immer mit „Sein“ zu tun, wie beispielsweise die Hingabe, die Entspannung oder das In-sich-Ruhen.

  • Habe ich Angst, nicht wahrgenommen (YIN) zu werden, wenn ich nicht ständig am Tun und Handeln (YANG) bin?
  • Habe ich das Gefühl (YIN), meine Macht (YANG) an andere abzugeben, wenn ich abwartend in mir ruhe, anstatt aktiv zu sein?

Genießen (YIN, weiblich) – Trainieren (YANG, männlich)

Sportlerinnen machen jetzt wahrscheinlich einen lauten Aufschrei: „Was, wir Frauen sollen nicht mehr (unseren Körper, unsere Fähigkeiten etc.) trainieren?“ Klar könnt ihr trainieren, so viel es euch Spaß macht. Aber spürt ihr den Unterschied zwischen genießen (YIN, passiv) und trainieren (YANG, aktiv) und dem damit verbundenen Zufriedensein (YIN, passiv) und Leistungserfolgen (YANG, aktiv)?

Die Liste der männlichen YANG- und der weiblichen YIN-Energien lässt sich noch weiter fortsetzen, wie beispielsweise:

  • Stille (YIN) – Lärm (YANG)
  • Inhalt (YIN) – Form (YANG)
  • Fülle (YIN) – Schlaksigkeit (YANG)
  • Weichheit (YIN) – Härte (YANG)
  • Innen (YIN) – Außen (YANG)

usw.

Es geht nicht um Schubladendenken …

… sondern darum, dass wir unser weibliches Energiepotenzial wieder bewusster wahrnehmen, wertschätzen, nutzen und ausdehnen. Es geht nicht darum, uns gegen das Männliche aufzulehnen, sondern den männlichen Energien in uns Frauen nicht überdimensional viel Platz einzuräumen.

Wenn du glattes Haar hast, solltest du es lieben, anstatt frustriert auf andere Frauen mit Naturlocken zu schielen. Und wenn dich die Natur mit krausen Haaren ausgestattet hat, warum willst du sie dann unbedingt mit einem Glätteisen zähmen?

Und warum, liebe Frau, willst du unbedingt männliche Eigenschaften leben? Die du dir vielleicht erst mühevoll antrainieren musst? Und die dich letztendlich nicht wirklich glücklich machen.

Viele Frauen würde es glücklicher machen, den eingeschlagenen männlichen Weg wieder zu verlassen und auf den weiblichen zurückzukehren. Ich denke, es lohnt sich zumindest, darüber nachzudenken!

[1] Piontek, Maitreyi D. Weibliches Manifest. Entdecke deine authentische und lustvolle Spiritualität. München: 2009.

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