Wenn Essen zum Thema wird

Besonders wir Frauen haben oft ein ganz eigenes Verhältnis zur Badezimmerwaage… und damit auch zu unserer Figur. Mal fühlen wir uns zu dick, zu unproportioniert, zu rund an den falschen Stellen. Nur die wenigsten fühlen sich zu dünn.

Dass die Medien, die Modeindustrie und die Celebrities diesen Trend verstärken, wenn nicht sogar bewusst schüren, ist längst bekannt. Doch wer noch tiefer gräbt, wird bemerken, dass die eigentlichen Probleme, die sich hinter den Essstörungen verstecken, in der Psyche der Menschen zu finden sind.

Meine Tochter Carmen, Psychotherapeutin in Ausbildung, begleitet einige Frauen, die unter Essproblemen leiden und beschäftigt sich deshalb berufsbedingt mit dieser Problematik.

Carmen, wenn Essen zum Thema wird, dann kann sich das auf verschiedene Arten zeigen. Wie bemerken Betroffene oder Angehörige, dass eine Essstörung vorliegt?

Zuerst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass es nicht DIE Essstörung gibt, sondern dass es mehrere Arten von Essstörungen gibt, die unterschiedlich ausgeprägt sein können.

Ganz allgemein könnte man so sagen: Menschen, die unter Essstörungen leiden, befassen sich übermäßig intensiv, ja obsessiv mit dem Thema Essen. In ihrem Leben dreht sich alles nur noch um Kalorien, Kleidergrößen, das eigene Körpergewicht. Die Betroffenen betrachten sich oft im Spiegel, gefolgt von massiven Selbstabwertungen.

Viele betreiben exzessiv Sport, oder es werden andere Strategien eingesetzt, um abzunehmen bzw. einer Gewichtszunahme entgegenzuwirken. Essenseinladungen können große Ängste auslösen und werden häufig vermieden.

Spätestens dann, wenn sich das Gewicht drastisch verändert, besonders im Rahmen einer Anorexie, wo sich der Gewichtsverlust ab einem gewissen Stadium nicht mehr verbergen lässt, wird die Essstörung auch für das Umfeld sichtbar. Vieles spielt sich allerdings im Verborgenen ab. Man könnte sagen, die Betroffenen führen eine Art Doppelleben.

Warum stehen so viele Frauen und Mädchen mit ihrem Körper auf Kriegsfuß?

Ich denke, es ist weithin bekannt, dass Frauen mehr als Männer aufgrund ihres Äußeren beurteilt werden. Frauen gelten als das „schöne Geschlecht“ und was schön ist, wird immer noch durch die Industrie und die Medien vorgegeben.

Besonders in den sozialen Medien wird das Bild des „perfekten Frauenkörpers“ verbreitet, und viele Frauen und Mädchen weltweit haben heutzutage dazu Zugang. Da naturgemäß nur sehr wenige Frauen diesem Pseudo-Ideal entsprechen, es aber als für jede Frau erreichbar propagiert wird, fühlen sich viele Frauen unwohl in ihrem eigenen Körper.

In der Folge versuchen viele davon, diesem Ideal nachzueifern. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass bei jeder Frau, die schon einmal eine Diät gemacht hat, eine Essstörung vorliegt. Die Gründe für Essstörungen liegen tiefer. Es handelt sich um einen innerpsychischen Konflikt, der auf diese selbstschädigende Weise zutage tritt.

Was kann ein erster Schritt sein, um einen Weg aus der Essstörung zu finden?

Der erste und wichtigste Schritt ist das Selbsteingeständnis, dass man ein Problem mit dem Essen hat. Das ist gar nicht selbstverständlich bei Essstörungen. Dieses Selbsteingeständnis bildet die Basis für eine erfolgreiche Psychotherapie, in der die dahinterliegenden Ursachen aufdeckt und behandelt werden.

Carmen Auer ist Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision und praktiziert in Wien.

2 Kommentare zu „Wenn Essen zum Thema wird

  1. Hat dies auf Seelenfarbenblog rebloggt und kommentierte:
    Ich denke, mit etwa 50 Diäten bin ich dabei.
    Also nicht in einem Jahr, sondern in meinem ganzen Leben.
    Zwischen 15 und 20 Nulldiäten. Denn meine Mutter findet, dass Nulldiät eine super Sache ist. 😦

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  2. Sorry. Ich wusste nicht, dass der Kommentar hier erscheint, wenn ich es reblogge. Das wollte ich so nicht. WordPress möchte den Kommentar nicht löschen, ich habe mein bestes Englisch ausgepackt und nachgefragt. Ich habe es in meinem Blog gelöscht, schon gestern, aber der Kommentar erscheint hier nach wie vor. Die einzige Möglichkeit ist, dass du es löschst liebe Ingrid. Danke und liebe Grüße

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