Wer sind die neuen Männer oder: Haben die harten Kerle ausgedient?

Der moderne Mann ist ein Glückfall für unsere Gesellschaft, heißt es. Denn das Rollenmodell des „echten, harten Kerls“ hat ausgedient. Was sagt der Soziologe Klaus Hurrelmann dazu, Professor an der Hertie School of Governance, der das Buch „Die heimlichen Revolutionäre: Wie die Generation Y unsere Welt verändert“ geschrieben hat?

Es geht um die ab 1980 Geborenen, die schon mit dem Internet aufgewachsen sind. Sie wurden mit Wirtschaftskrisen, Terroranschlägen, Umweltkatastrophen und politischen Umbrüchen groß und mussten sehr früh lernen, dass nichts mehr sicher ist – und dass trotzdem irgendwie alles weitergeht.

Wie sich das Rollenbild verändert

Zum ersten Mal in der Geschichte lösen sich die (jüngeren) Männer vom traditionellen Rollenbild des Mannes und damit vom Druck, immer stark sein und sich wie Machos verhalten zu müssen. Denn sie haben erkannt, dass sie vom alten, traditionellen Rollenbild total blockiert werden und sie mit ihrem neuen Verständnis, das sie von sich selber haben, besser ihr wahres Selbst ausdrücken und leben können.

Familienplanung

Viele Männer wünschen sich Kinder, aber später als ihre Eltern oder Großeltern. Sie prüfen die Umstände kritisch, bevor sie eine Familie gründen. Deshalb ist es ihnen wichtig, dass die Partnerschaft, das Einkommen oder die Wohnsituation passen müssen, bevor sie ‚ja’ zu eigenen Kindern sagen.

Job contra Familie?

Immer mehr Männer stecken freiwillig im Job zurück, um Zeit mit ihrer Partnerin und ihren Kinder zu verbringen. Sie wollen sich aktiv in die Kindererziehung einbringen, viele von ihnen haben Lust am Kochen entwickelt und entlasten auch im Haushalt ihre Frauen.

Kinder und Karriere

Während Frauen in den letzten Jahrzehnten „gelernt“ haben, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen, konnten sich die meisten Männer voll auf ihren Job konzentrieren. Denn meist hielten ihnen ihre Frauen den Rücken frei. Doch für viele Männer wird es immer selbstverständlicher, Kinder und Karriere miteinander zu verbinden. Einige von ihnen verzichten zugunsten von Family Time dafür auf eine Karriere oder auf ein höheres Einkommen.

Neue Werte

Die Generation Y hat eine große Sehnsucht nach Sicherheit, Ordnung, Fleiß und Verlässlichkeit. Gleichzeitig will man sich selbst verwirklichen, das Leben genießen oder kreativ sein. Viele der neuen Männer sind aber immer noch sehr leistungsorientiert und diszipliniert.

Materieller Wohlstand

Materieller Wohlstand bedeutet der Generation Y längst nicht mehr so viel wie noch ihren Eltern und Großeltern. Natürlich strebt sie nach Sicherheit, gibt aber mehr Geld für Fitness, gesunde Ernährung, Reisen oder besondere Erlebnisse aus. Das heißt, sie investiert mehr in ihr Wohlbefinden als in materielle Güter.

Politikverdrossenheit

Die typische Generation Y hat eine sehr realistische Sicht auf die Welt, ist aber weniger an herkömmlicher Politik interessiert. Lieber wird sie in sozialen und anderen Netzwerken aktiv, als in der Politik. Doch sie vermittelt ihre Werte, steht dazu und lebt auch danach.

Der neue Mann

Er ist gerade dabei zu definieren, was ein gutes Leben für ihn bedeutet. Auf jeden Fall bekommt die Kombination aus Wohlstand, Quality Time für Familie und Freunde, Bildung, Gesundheit, gute Jobbedingungen und eine intakte Umwelt eine immer größere Bedeutung. Noch sind es einzelne Männer, die dem neuen Bild entsprechen, doch es werden immer mehr. Dann werden sie mit ihren Vorstellungen und Idealen – gemeinsam mit ihren Partnerinnen – eine neue Welt gestalten. Wir werden es erleben!

Ein Kommentar zu „Wer sind die neuen Männer oder: Haben die harten Kerle ausgedient?

  1. Ein wunderbarer Bericht!
    Ich kann dies nur bestätigen, habe selber einen Sohn 1993 geboren und sehe genau diese Entwicklung bei ihm. In der Partnerschaft lebt er mit seiner Lebensgefährtin dieses Modell. Beide berufstätig, kochen sie am Abend gemeinsam und erledigen auch die Haushalspflichtwn miteinander. Zudem ist sein Weltbild einnanderes zu der bisherigen Männerwelt. Auch bei seinen Freunden kann ich ähnliches erkennen. Schliesslich habe ich seine Kumpels schon früh in der Kindheit miterlebt. Weiter so… das lässt hoffen auf eine gute Fortentwicklung.

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