Wie Zhenya die Narben häuslicher Gewalt in Kunstwerke verwandelt

Tattoos sind nicht jedermanns Geschmack und über „Kunstsinn“ lässt sich ja bekanntlich streiten. Doch der Bericht über Zhenya aus Russland lies mich aufhorchen: Die 33-jährige Russin tätowiert seit 2016 immer mehr Frauen, um deren Narben – entstanden durch häusliche Gewalt – zum Verschwinden zu bringen.

Dabei geht es ihr nicht darum, physische Übergriffe auf Frauen vergessen zu lassen oder zu beschönigen. Im Gegenteil! Als ausgebildete Psychologin weiß sie nur zu gut, dass es vielen Frauen schwer fällt, mit ihren Narben weiterzuleben, weil sie immer wieder an die schrecklichen Übergriffe und Verletzungen durch ihre Freunde, Männer, Ex-Männer oder Väter erinnern. Meist sind es Motive wie Vögel, Blütenranken, Schmetterlinge oder Wölfe, die sich die Frauen für ihre Tattoos selber aussuchen.

Nachdem Zhenya vor Jahren einen Artikel über die brasilianische Künstlerin Flavia Carvalho gelesen hatte, bot sie ihre Arbeit kostenlos in sozialen Netzwerken an. Alleine im ersten Jahr nutzten 200 Frauen Zhenyas Angebot. Während sie unter der Nadel liegen, erzählen die Frauen, wie sie zu ihren Narben kamen. Nicht selten sind Alkohol, Drogen oder Arbeitslosigkeit der Grund für die tätlichen Übergriffe. Deshalb studiert Zhenya nun auch noch Rechtswissenschaften, damit sie nicht nur die grausamen seelischen und körperlichen Folgen der Verbrechen, sondern auch die dahinter liegenden seelischen Ursachen bekämpfen kann.

(Die Fotos hat Zhenya auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht)

 

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